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FLOTTWELL ZWEI, 2011; Architekten: HEIDE & VON BECKERATH, Fotografie: Andrew Alberts

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R50 – cohousing, 2013; Architekten: ifau und Jesko Fezer | HEIDE & VON BECKERATH, Fotografie: Andrew Alberts

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IBEB – Integratives Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt, 2012-2017 Architekten: ifau | HEIDE & VON BECKERATH

Architect Statement // HEIDE & VON BECKERATH

BAUGRUPPE als Case Study:

Wie lassen sich Potenziale initiativer und experimenteller Wohnbauprojekte für die aktuellen Aufgaben städtischer Wohnungsbaugesellschaften konkretisieren?

 

Beginnend mit dem Projekt ‚Straßenhaus‘, einem experimentellen Großwohnungsbau für Berlin im Rahmen von Europan I (1989), beschäftigt sich unser Büro mit Wohnformen und Strukturen des Wohnens und Zusammenlebens. Dabei interessieren uns räumlich-soziale Systeme, die Identitäten erzeugen und gleichzeitig offen genug sind, um unterschiedlichen Lebensvorstellungen und -bedürfnissen Raum zu geben. Auf das prototypische ‚Wunschhaus#1‘, dessen Wohngrundriss auf Kernräumen und einem umlaufenden Korridor beruht, deren grundsätzlich unterschiedliche Eigenschaften sich ineinander verschränken und eine individuelle Zuordnung erlauben, folgten unter u. A. Erfahrungen mit Wohnhausprojekten wie ‚Zwei Wohnhäuser in Altglienicke‘ und ‚Apartmenthaus am Kurfürstendamm‘, die als öffentlich geförderte oder privat finanzierte Geschosswohnungsbauten realisiert werden konnten.

Schließlich haben wir damit begonnen, insgesamt drei Projekte mit Baugruppen zu entwickeln und zu planen. Das hat sich zunächst eher beiläufig ergeben, erlaubte jedoch in besonderem Maße, bestimmte integrative und integrierende Eigenschaften von Architektur von Beginn an vorzuschlagen und unmittelbar zu verfolgen. Eine vorausschauende Planung, innovative, kostengünstige und nachhaltige Konstruktionen unter Verwendung von Fertigteilen, mehrfach kodierte Erschließungswege, gemeinschaftlich nutzbare Innen- und Außenräume, aktivierte Erdgeschosszonen und nicht zuletzt belastbare Grundrisstypologien charakterisieren Häuser wie ‚Flottwell Zwei‘ und ‚R50 – cohousing‘ (in Kooperation mit ifau und Jesko Fezer) – wobei Letzteres, auch wegen eines explizit partizipativen Planungsprozess und dem Bekenntnis der Bewohner zu einer gemeinschaftlichen Lebensform, einen erweiterten und gelebten Modellcharakter hat, auch hinsichtlich seiner Integration in das umgebende Quartier. Beide Projekte haben national und international Beachtung gefunden und werden vielfach diskutiert und publiziert.

Bei dem kurz vor Baubeginn stehenden und weitaus größeren ‚IBeB‘ (in Kooperation mit ifau), einem gemischt genutzen, auf einem innovativen Grundstücksvergabe- und Finanzierungsmodell begründeten Wohn- und Atelierhaus am ehemaligen Berliner Blumengroßmarkt, das ebenfalls als Baugruppe errichtet wird, erlaubt ein radikales und ausdifferenziertes Erschließungssystem in Verbindung mit einer tiefen Gebäudestruktur nicht nur die ökonomische Nutzung des Grundstücks, sondern ermöglicht als Beitrag zu einer stadtkulturellen Dichte an Räumen und Aktivitäten eine Vielzahl unterschiedlicher Grundrisstypen für selbstbestimmtes Leben und Arbeiten. Auch dieses Projekt entsteht vor dem Hintergrund einer moderierten, in den Entwurfs- und Planungsprozess integrierten Beteiligung der zukünftigen Nutzer, darunter sowohl individuelle, als auch genossenschaftliche Eigentümer und Mieter. Als Mitglied der Projektgruppe PxB ist das ‚IBeB‘ weiterhin in den diskursiven Stadtentwicklungsprozess der Südlichen Friedrichstadt eingebunden.

Die Frage, inwiefern sich Erfahrungen aus den oben beschriebenen Projekten abstrahieren und insbesondere für die aktuellen Aufgaben der Berliner Wohnungsbaugesellschaften konkretisieren lassen, beschäftigt uns. Wenn man das Phänomen der Baugruppe, hier nicht lediglich verstanden als gemeinsames ökonomisches Handeln zur Erlangung von Wohneigentum, sondern als perspektivische, bedürfnisorientierte und gemeinschaftliche Lebensform betrachtet, wird der exemplarische Charakter einiger Projekte deutlich. Erste Machbarkeitsstudien legen dar, dass auch die städtischen Wohnbauunternehmen sich zunehmend für Themen wie räumliche Dichte, adaptive Wohngrundrisse, überarbeitete Standards, gemeinschaftlich genutzte Räume, aktive Ergeschosszonen und Freiräume, ökonomische Strukturkonzepte, sowie innovative Konstruktionsweisen und Materialien aufgeschlossen zeigen. Hier besteht offenbar ein nicht geringes Potenzial, Wissen und Erfahrung mit sozial engagierten und kulturell nachhaltigen Wohnmodellen in die Entwicklung künftiger Wohnlandschaften Berlins einzubringen – soweit und sobald der politische Auftrag dafür besteht.

Berlin, 02.07.2015

 

von HEIDE & VON BECKERATH

 

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03.07.2015

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