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Architect Statement // ifau und Jesko Fezer

“Die kleine Wohnung ist kein Notbehelf für die, die sich keine große leisten können. Sie ist ein allgemeines und nachhaltiges soziales Modell des Wohnens.”

“A small apartment is not makeshift for those who cannot afford more space—compactness is an overarching, sustainable social living model.” 

 

Dreizonen-Kleinstwohnungsprinzip mit Gemeinschaftsprinzip

1. Eine kleine Wohnung ist eine billige Wohnung.
Vom Mietverhältnis her betrachtet ist eine kleine Wohnung billiger als eine Große. Vielleicht genügt diese simple Logik. Die kleine Wohnung ist aber nicht als Notbehelf quasi für das Existenzminimum derjenigen zu denken, die sich keine große leisten können. Sie ist ein allgemeines und nachhaltiges soziales Modell des Wohnens. Vielleicht aber ist eine kleine Wohnung tatsächlich zu klein für die vielfältigen Aktivitäten, die in ihr stattfinden sollen. Sie sollte sich direkt (temporär, jahreszeitlich und nutzungsbezogen) erweitern oder sich so mit anderen Räumen verbinden lassen, dass bestimmte Tätigkeiten gemeinschaftlich oder abwechselnd stattfinden können. Die kleine Wohnung ist ohne das Wohnungsumfeld im Geschoss, im Haus, in der Siedlung, im Viertel und in der Stadt nicht herzustellen.

2. Kleines, verschiedenes und gemeinsames Wohnen
Eine kleine Wohnung ist nicht eine bestimmte Wohnung. Sie muss je nach Nutzer und Nutzergruppe sehr spezifisch verschieden (groß) sein. Eine kleine Wohnung ist keine vollständige Wohnung. Sie braucht Ergänzungen (wie eigentlich jede Wohnung). Das Zusammentun macht nicht nur die Wohnungen kleiner und simpler, sondern eröffnet das Wohnen als gemeinschaftlichen Möglichkeitsraum. Eine kleine Wohnung ist keine monotone Wohnung. Sie kann sich jahreszeitlich oder anlassbezogen erweitern. Ein Optionsraum, der nur temporär erwärmt werden kann, spart nicht nur Heizkosten und ermöglicht eine simplere Bauweise, er geht nur halb in die Mietkostenberechnung ein.

3. Soziale Planung ist ein Prozess der Verhandlung unterschiedlicher Akteure
Wie entschieden und geplant wird ist wesentlicher Bestandteil des Wohnungsbaus, dieser Prozess bereitet das Bewohnen vor. Insbesondere die Prämisse einer innerstädtischen Nachverdichtung erfordert die aktive Beteiligung lokaler Akteure, die den Planungsprozess informieren, über dessen Zielsetzungen entscheiden und ihn tragen. Genauso bedarf es der Initiative externer Träger, Vereine und Gruppen, um neue Impulse zu setzen und die Wohnungspolitik der beteiligten Wohnungsbaugesellschaften zu korrigieren, zu unterstützen und zu ergänzen.

4. Architektonische Eingriffe sollen den baulichen und sozialen Bestand bestätigen und weiterentwickeln
Die (sozialen und baulichen) Qualitäten bestehender Quartiere dürfen durch Neuplanungen nicht beschädigt, konterkariert oder abgewertet werden. Sie müssen erhalten, aufgewertet und fortgeschrieben werden. Dabei besteht die Notwendigkeit langfristige Perspektiven zu entwickeln und bestehenden oder erwartbaren Defiziten entgegenzuarbeiten. Planung wird hierbei nicht primär aus der Perspektive der (geplanten) neuen BewohnerInnen gedacht, sondern aus dem Blickwinkel, der Menschen, Dinge und Räume, die schon da sind. Das städtebauliche Konzept für die Bebauung potentiell freier Flächen Am Mühlenberg bestätigt die vorhandenen städtischen Qualitäten und greift sie in der Auswahl der Baufelder und der Positionierung der Neubauten auf.

Text von ifau und Jesko Fezer

 

ifau
www.ifau.berlin.heimat.de
Jesko Fezer
www.jeskofezer.de

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04.06.2015

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