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TU Campus, Charlottenburg, Berlin

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Westkreuz, Berlin

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Stralauer Platz, Friedrichshain, Berlin

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S-Bahn Ring, Neukoelln, Berlin

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Stralauer Platz, Friedrichshain, Berlin

Architect Statement // ISU Institute for Sustainable Urbanism / TU Braunschweig

URBANE POTENTIALRÄUME
Unmögliche Grundstücke als Chance für die Stadtentwicklung

RAUM ALS RESSOURCE
Wir verstehen die existierende Stadt und ihre städtischen Räume als wertvolle Ressource zukünftiger Entwicklung, deren Verbrauch – analog zu anderen begrenzt vorhandenen Gütern – effizient, behutsam und weitsichtig gesteuert werden muss. Vor diesem Hintergrund haben wir uns der Stadt Berlin mit ihren teils untergenutzten Orten genähert. Während Konzepte eines nachhaltigen Flächenmanagements in einigen Orten bereits in die Planungs- und Baukultur eingeschrieben ist, sind andere Regionen weit davon entfernt.

 

Im „Zeitalter der Städte“ kommen wir jedoch nicht umhin, angesichts der zunehmenden Urbanisierung und des vermehrten Zuzugs in Städte, die Begrenztheit städtischen Raumes anzuerkennen und genau diese Ressource zur Grundlage zukünftiger Entwicklungskonzepte zu machen.

Unter dem thematischen Schwerpunkt „Unmögliche Grundstücke“ untersucht das ISU daher urbane Orte, die sich einer Entwicklung nicht unmittelbar andienen, aber dennoch ein enormes Entwicklungspotential aufweisen, z.B. die Restflächen von Infrastrukturen. Oft sind diese Orte im Ergebnis aktueller oder globaler Trends entstanden.

Andererseits können Grundstücke, die ursprünglich als unbewohnbar oder als nicht nutzbar galten, durch eine Verschiebung der politischen, ökonomischen, ökologischen oder kulturellen Rahmenbedingungen, wieder „möglich“ werden und umgekehrt. Diese dynamischen Kräfte führen zu sichtbaren und in einigen Fällen messbaren Phänomenen, die auf lokale Nachbarschaften einwirken und oftmals sogar die Widersprüche und Extreme der Globalisierung offen legen.

Wie verhält es sich mit den „Unmöglichen Grundstücken“ in Berlin? Während West-Berlin sich zunächst als „Insel“ mit begrenzter Fläche darstellte, war die wiedervereinte Stadt nach dem Fall der Berliner Mauer viele Jahre lang gerade durch das Vorhandenensein vieler Brachen und Resträume, gekennzeichnet, die sich die BerlinerInnen gerne angeeignet haben und die einen Teil des Mythos des Nachwende-Berlin ausmachten. Heute sind – angesichts des anhaltenden Berlin-Booms –
die meisten Baulücken und freien Grundstücke entwickelt. Die kontinuierliche Nachfrage nach Wohnraum stellt die Stadt vor eine große Herausforderung. Hier setzen wir mit der Idee der „Unmöglichen Grundstücke“ an und nehmen Orte in den Blick, die bisher nicht als Entwicklungsgebiete angesehen wurden: die Flächen auf, unter, zwischen und neben den Infrastrukturen. Wir verstehen diese Grundstücke als besondere Potentialräume, die angesichts ihrer komplexen Bedingungen neue und außergewöhnliche Konzepte erfordern. Sie bieten ein Experimentierfeld für neue Formen des Wohnens und Arbeitens und eröffnen die Chance, ehemals
unzugängliche oder untergenutzte Räume in die Stadt zu integrieren.

6.000 NEUE WOHNUNGEN PRO JAHR – Das ist das Ziel, das sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin gesetzt hat, um der aktuellen Wohnungsnachfrage in Berlin zu begegnen (2014 Urban Living Berlin). Die Neubauten sollen teils durch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und teils durch den Privatsektor realisiert werden.

UNENTDECKTE FLÄCHENPOTENTIALE
Die verfügbaren Flächen sind begrenzt, doch auf den zweiten Blick eröffnet sich ein Vorrat an (landeseigenen) Grundstücken, die bisher nicht auf der Karte des Stadtentwicklungsplans Wohnen verzeichnet sind: Die Restflächen der Infrastrukturen – die asphaltierten Parkplatzflächen entlang der großen Straßen und deren Straßenbegleitgrün, die Mittelstreifen, die Flächen zwischen sich kreuzenden Bahn- und Autobahntrassen, aber auch die Flächen unter aufgeständerten Autobahnen oder Bahntrassen. Diese “Unmöglichen Grundstücke” bieten ob ihrer spezifischen Extreme die Möglichkeit für radikal neue Ansätze des Wohnens in der Stadt. Als noch unentdeckte, aber exzellent erschlossene Wohnorte und Entwicklungsgebiete der Zukunft sind sie zugleich der Schatzkasten der
Stadt. Entsprechend des Leitgedankens „Mehr Stadt in der Stadt“, unter dem das Verfahren „Urban Living“ nach innovativen Wohnformen in Berlin suchte, erkennen wir ein Potential darin, augenscheinlich unattraktive Restflächen umzudeuten und in den Stadtraum zu integrieren. Die gegenwärtig hohe Nachfrage nach Wohnungen in innerstädtischen Lagen ist somit nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance.

KONZEPTE UND ENTWÜRFE VON STUDIERENDEN DER TU BRAUNSCHWEIG
Im Rahmen der Bachelor-Arbeit fragten wir: Wo und wie können 6.000 Wohnungen auf (mgl. landeseigenen) Grundstücken innerhalb oder entlang des S-Bahn-Rings enstehen? Welche ökologisch, ökonomisch und sozial robusten Wohn-, Energie- und Mobilitätskonzepte können im Zuge der Transformation dieser Areale implementiert werden? Zweifelsohne sind hier Lösungen gefragt, die nicht „von der Stange“ kommen. Qualitätskriterien wie Lärmschutz, neue Nutzungskonstellationen, dichte Bebauung bei minimiertem Flächenverbrauch und ungewöhnliche Grundstückszuschnitte erfordern besondere Konzepte.

Eine Publikation erscheint im Herbst 2015.

 

ISU INSTITUTE FOR SUSTAINABLE URBANISM / TU Braunschweig
Prof. Dr. Vanessa Miriam Carlow

Das ISU wurde 2012 von Prof. Dr. Vanessa Miriam Carlow an der Fakultät für Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften der TU Braunschweig gegründet. ISU ist teils think-tank, teils Designlabor und betreibt Forschung und Wissenschaft in internationalem und interdisziplinärem Kontext. Um den Katalog nachhaltiger Lösungen zu erweitern wird ein kooperativer, inter- und transdisziplinärer Ansatz verfolgt. ISU hat mit PartnerInnen in Afrika, Asien, Südamerika, USA und Europa gearbeitet. Die Lehr- und Forschungsprojekte des ISU konzentrieren sich auf vier Schwerpunkte: Raum als Ressource, Urban Living, Unmögliche Grundstücke und Stadt-Land-Beziehungen. Aktuell führt das ISU u.a. die vom BMBF geförderte „Projektakademie Ländlicher Raum“ mit Partnergemeinden in Niedersachsen durch und entwickelt im Rahmen des Programms „in medias res“ eine innovative, mediengestützte Szenario- und Planungsplattform. 2014 wurde das Research Institute for Sustainable Urbanism (RISU) zur Bearbeitung externer Studien- und Forschungsaufträge eingerichtet.

 

ISU ONLINE » www.sustainableurbanism.de

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17.06.2015

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