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Interview // Regula Lüscher / Berliner Senatsbaudirektorin

Über Bezahlbarkeit, Qualität und die Ausrichtung der Berliner Wohnungsbaupolitik

 

Berlin steht wie viele andere Großstädte vor der Herausforderung, in den kommenden Jahren eine große Zahl neuer – und auch bezahlbarer – Wohnungen zu bauen. Können Sie schon sagen, wie viele Wohnungen derzeit bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften in der Planung sind?

Die städtischen Wohnungsbaugesellschaften beginnen in den Jahren 2015 und 2016 den Bau von über 8.000 Wohnungen. In ähnlicher Größenordnung wird es in den darauf folgenden Jahren weiter gehen.

Am Workshopverfahren Urban Living haben sich viele jüngere Architektinnen und Architekten beteiligt, die neue Ideen präsentiert haben, zum Beispiel gemeinschaftlich orientierte Wohnformen oder den Einsatz neuer, nachhaltiger Baumaterialien. Das Konzept war, mit diesen Ideen „frischen Wind“ auch in die Projekte der städtischen Wohnungsbaugesellschaften zu bringen. Ist dies Ihrer Meinung nach gelungen?

Das Urban-Living-Verfahren hat Impulse gesetzt, die sich zukünftig auch auf die Neubautätigkeit der Wohnungsbaugesellschaften auswirken. Das braucht etwas Zeit, denn aktuell haben sie den Auftrag, möglichst viele Wohnungen zu bauen, um den steigenden Bedarf zu decken. Dabei handelt es sich zunächst vorwiegend um eine Nachfrage nach herkömmlichem Wohnraum. Allerdings beginnen auch die Wohnungsbaugesellschaften, ihr Angebot zu differenzieren und nutzen dabei die Erfahrungen aus dem Urban-Living-Verfahren. Die Verwendung neuer Bauverfahren wird von einigen Gesellschaften explizit weiter entwickelt.

„Bezahlbare Mieten“ sind ein wichtiges Anliegen der Berliner Stadtpolitik. Welche Maßnahmen hat der Senat ergriffen, um die Mieten bezahlbar zu halten und was tun Sie, damit nicht an der falsche Stelle – bei baulichen und urbanen Qualitäten – gespart wird?

Der Ansatz, Wohnen auch im Neubau bezahlbar zu gestalten und dennoch eine hohe Qualität zu garantieren, ist eine zentrales Anliegen des Senats. Deswegen lädt das Land Berlin in diesen Tagen dazu ein, sich mit innovativen Beiträgen zum zukünftigen Wohnen an einem Verfahren „Experimenteller Wohnungsbau“ zu beteiligen.

Die aktuelle Forderung nach „4,50 € bzw. 5,74 pro QM Miete für alle mit niedrigem Einkommen“ durch den Berliner Mieten-Volksentscheid ist zwar sehr vereinfacht (wie die Forderung nach mehr Sonne, bessere Luft), aber auch sehr populär. Was halten Sie aus Ihrer Sicht von diesen Forderungen?

Der Senat verfolgt in seiner Wohnungsbaupolitik durchaus vergleichbare Ziele. Aus Sicht der Senatsbaudirektorin ist mir allerdings wichtig, diese Ziele zukünftig nicht nur durch staatliche Finanzierung, sondern auch durch gutes, innovatives und preiswerteres Bauen zu erreichen.

 

Interview by Kristien Ring (AA Projects) with Regula Lüscher

 

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07.07.2015

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